
14.03.2026
Am vergangenen Freitag fand im Naturschutzgebiet Wiesengrund in Neuenhagen ein besonderer Pflegeeinsatz statt. Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Neuenhagen wurde eine kleine Teilfläche der Wiese kontrolliert abgebrannt. Was zunächst ungewöhnlich klingen mag, ist tatsächlich eine seit langem bekannte und in der Naturschutzpraxis gezielt eingesetzte Methode, um artenreiche Wiesen zu erhalten und zu fördern.

Feuer gehört seit Jahrtausenden zur Entwicklung vieler Landschaften. Schon in frühen Kulturlandschaften nutzten Menschen gezielt Feuer, um Flächen offen zu halten oder Vegetation zu erneuern. Heute wird diese Methode – unter streng kontrollierten Bedingungen – wieder gezielt in der Landschaftspflege eingesetzt. Dabei spricht man von kontrolliertem Brennen oder Pflegefeuer.
Das Prinzip ist einfach: Beim schnellen Abbrennen der trockenen Pflanzenreste aus dem Vorjahr wird vor allem die oberirdische Biomasse entfernt. Der Boden selbst wird nur gering erwärmt, da solche Feuer relativ schnell und mit niedriger Intensität über die Fläche laufen. Die Hitze dringt meist nur wenige Zentimeter in den Boden ein. Samen im Boden sowie Wurzeln vieler Pflanzen bleiben dadurch erhalten.
Das Ergebnis: Licht gelangt wieder direkt auf den Boden, Keimlinge haben bessere Bedingungen, konkurrenzstarke Arten werden zurückgedrängt, die Vielfalt von Pflanzen und Insekten kann zunehmen.
Wichtig ist: Im NSG Wiesengrund wurde nur eine sehr kleine Teilfläche behandelt. Das Schutzgebiet umfasst zahlreiche weitere Wiesenbereiche, die unberührt bleiben. Auch innerhalb der abgebrannten Fläche wurde darauf geachtet, mosaikartig zu arbeiten. Einige Bereiche blieben bewusst unverbrannt.
Diese Strukturvielfalt ist für viele Tiere entscheidend. Unterschiedlich stark verbrannte oder unberührte Bereiche schaffen verschiedene Mikrohabitate.

Solche Pflegemaßnahmen dienen vor allem dem Schutz von Arten, die auf extensiv genutzte, blütenreiche Wiesen angewiesen sind. Gerade diese Lebensräume sind in Deutschland stark zurückgegangen und zählen heute zu den gefährdeten Lebensräumen der Kulturlandschaft. Im Wiesengrund profitieren insbesondere Arten, die offene und strukturreiche Wiesen benötigen.
Zwei Beispielarten sind:
Sechsfleckiges Blutströpfchen ein auffälliger tagaktiver Nachtfalter aus der Gruppe der Widderchen
Sichelschrecke – eine wärmeliebende Heuschreckenart
Beide Arten sind auf strukturreiche Wiesen mit einem vielfältigen Pflanzenangebot angewiesen.

Auch bestimmte Pflanzen profitieren von der Maßnahme. Ein gutes Beispiel ist der Hornklee (Lotus corniculatus). Diese typische Wiesenpflanze besitzt eine tiefe Pfahlwurzel, die durch das kurzzeitige Feuer nicht beschädigt wird. Während abgestorbene Pflanzenreste entfernt werden, kann der Hornklee im Frühjahr wieder austreiben und sich sogar besser behaupten, weil konkurrierende Arten zurückgedrängt werden. Der Hornklee wiederum ist eine wichtige Nahrungspflanze für viele Insekten, darunter auch die Raupen des Sechsfleckigen Blutströpfchens.

Die Durchführung solcher Maßnahmen erfordert Erfahrung und geeignete Rahmenbedingungen. Das Feuer darf sich nicht unkontrolliert ausbreiten und wird deshalb nur bei passenden Wetterbedingungen sowie unter fachlicher Aufsicht eingesetzt.
Im Wiesengrund unterstützte die Freiwillige Feuerwehr Neuenhagen, die das kontrollierte Abbrennen professionell begleitete und für die notwendige Sicherheit sorgte. Solche Kooperationen zwischen Naturschutz und Feuerwehr sind bei Pflegefeuern üblich und gewährleisten eine sichere Durchführung.
Das kontrollierte Abbrennen ist nur eine von mehreren Methoden der Biotoppflege. In anderen Bereichen kommen beispielsweise Mahd, Beweidung oder das Entfernen von Gehölzen zum Einsatz. Oft werden diese Maßnahmen auch kombiniert, um langfristig eine vielfältige Wiesenlandschaft zu erhalten.
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