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27. Februar 2010:
Matthias Poeszus erläutert vor Nabu-Mitgliedern, Greenparkvertretern und
den beiden Bürgermeisterkandidaten Elke Richter und Jürgen Henze die Fällarbeiten der Lavos auf dem Trainierbahngelände.
Matthias Poeszus berichtet an dieser Stelle über die Geschehnisse auf der Neuenhagener Trainierbahn:
Bevor ich mit den ersten Einträgen beginne, möchte ich mich erst einmal kurz vorstellen. Mein Name ist Matthias Poeszus, ich bin hier in Neuenhagen aufgewachsen und die Trainierbahn gehörte schon als Kind zu meinen beliebtesten Orten in dieser Gemeinde, woran sich bis heute nichts geändert hat. Und ich behaupte auch die Trainierbahn ist daran Schuld, dass ich Forstwirtschaft an der Fachhochschule Eberswalde studiert habe und heute als freiberuflicher Forstsachverständiger arbeite. Als Mitglied der Ortsgruppe Neuenhagen des Nabu bin ich damit betraut worden, die Durchforstungsarbeiten, die im Auftrag für die Gut Neuenhagen GmbH von der Lafos durchgeführt werden, im naturschutzfachlichen Bereich, auf Grundlage des Bescheides der Unteren Naturschutzbehörde, zu betreuen und zu überwachen. Hier in diesem Gästebuch werde ich den aktuellen Verlauf der Durchforstungsarbeiten möglichst zeitnah eintragen.
Erster Bericht
Zeitraum bis 16.01.2010
Die Holzerntemaschine, ein so genannter Harvester, arbeitet zurzeit in einem jungen Kiefernbestand in der Nähe des Waldfriedhofes. Die Förderung von einheimischen und standortsgerechten Laubbaumarten wie Eiche, Ahorn, Linde, Birke usw. wurde bisher beachtet. Als einzige Laubbaumart wird die Spätblühende Traubenkirsche entnommen. Alte Laubbäume dürfen, selbst wenn sie auf der Rückegasse gelegen sind, nicht entnommen werden.
Zweiter Bericht
Zeitraum bis 20.01.2010
Die Holzrückemaschine hat damit begonnen, das gefällte Holz aus dem Kiefernjungbestand heraus zu transportieren und es am Wegesrand aufzustapeln. Die Bereiche in denen die Waldameise vorkommt dürfen auf Initiative des Nabu nicht mehr durchforstet werden.
Dritter Bericht
Zeitraum bis 22.01.2010
Der Harvester durchforstet noch immer in dem Kiefernjungbestand Nahe dem Waldfriedhof. Der Forwarder hat damit begonnen, das Restholz (abgetrennte Kronen der gefällten Bäume und Äste) aus dem Bestand abzutransportieren und in Richtung des Gutes auf einer kleinen Freifläche zu lagern. Jetzt, wo sich die Sonne nach langer Zeit wieder hinter dem Wolkenvorhang hervor getraut hat, bekommt die Trainierbahn ein ganz besonderes Antlitz, also nutzen Sie das Wochenende trotz Kälte für einen winterlichen Spaziergang, ach ja und nicht vergessen den Hund an die Leine zu nehmen.
Vierter Bericht
Zeitraum bis 26.01.2010
Brr, bei anfangs -17°C bin ich heute in den Waldflächen unterwegs gewesen, bis auf den Waldkindergarten hatte sich auch kaum jemand heraus getraut.
Der Harvester hat jetzt Dreiviertel der Fläche durchforstet und ich denke er wird bis zum Ende der Woche auch den Rest geschafft haben. Die Lafos teilte mir heute mit, dass jetzt auch damit begonnen wird die Flächen zu durchforsten, die nicht durch den Harvester bearbeitet werden. Es handelt sich um Teile der Flächen, die sich rechts vom Weg (altes Gut in Richtung Herrmanpfuhl) liegen. Dort werden Forstarbeiter mit der Motorsäge die Bäume fällen, die dann eventuell von einem Rückepferd an den Weg gezogen werden. Es wird etwas lauter (Motorsägen) im Wald werden. Die zu fällenden Bäume sind bereits rot markiert worden.
Fünfter Bericht
Zeitraum bis 28.01.2010
Die manuelle Holzfällung hat begonnen. Die von mir begutachteten gefällten Bäume entsprechen denen die rot markiert worden sind. Die Baumfällung wurde fachgerecht ausgeführt und es sind keine nennenswerten Schädigungen an den noch stehenden Bäume zu erkennen, ich hoffe das bleibt auch weiter so. Geht man davon aus, dass jetzt noch mit dem Pferd gerückt wird, so würde es der Nabu ähnlich machen. Rein technisch sähe so eine nachhaltige und naturschutzfachliche Durchforstung aus, die wir uns auch für die anderen Bestände gewünscht hätten. Auch hätte der Nabu vorher, so wie er es jetzt auch getan hat, alle Höhlen- und Pilzbäume, Totholz und die Ameisenbiotope markiert, dass diese nicht entnommen oder geschädigt werden dürfen. Auch die Auswahl der zu entnehmenden Bäume hätte ähnlich ausgesehen, wobei der Nabu zuerst einmal vorrangig nicht heimische und standortsfremde Baumarten entnehmen würde, mit dem langfristigen Ziel einen gesunden und stabilen Mischwald zu erhalten, der dann auch an den Klimawandel, so weit dies möglich ist, angepasst sein sollte. Bis auf wenige Ausnahmen hat auch die Lafos nicht heimische Baumarten rot markiert (eine Auflage des Bescheides der UNB). Durch die Fällung entstandene Lücken sollten bei einem intakten Waldökosystem durch Naturverjüngung ausgefüllt werden können.
Sechster Bericht, Teil1
Zeitraum bis 02.02.2010
Auch heute war ich wieder in den Wäldern auf und um die Trainierbahn unterwegs. Beginnen möchte ich mit dem jungen Kiefernbestand in der Nähe des Waldfriedhofs. Die Durchforstungsarbeiten sind nun in diesem Bestand abgeschlossen, das heißt alles durch den Harvester abgesägte Holz wurde von dem Forwarder heraustransportiert und am Wegesrand gepoltert.
Der Harvester durchforstet nun die älteren Kiefernbestände, Rückegassen alle 20m, hier wurden keine Zunkunftsbäume ausgewählt (ist auch in diesem Alter nicht mehr üblich), sondern es wurde eine Negativauslese (Nutzung der unterständigen und weniger wertvollen Kiefern) angewendet und die zu entnehmenden Bäume mit roter Farbe markiert. Ab Morgen wird der Harvester damit beginnen den großen sich in der Waldmitte befindlichen Kiefernkomplex (ältere Kiefern) zu durchforsten.
Sechster Bericht, Teil 2
Zeitraum bis 02.02.2010
Bei den Kiefernkomplexen ist mir aufgefallen, dass dort wesentlich mehr Bäume entnommen werden als bei dem schon erwähnten Kiefernkomplex am Waldfriedhof.
Zum aktuellen Stand bezüglich der Anfrage an die UNB: Dank der Unterstützung des Bürgermeisters der Gemeinde Neuenhagen bin ich heute schriftlich zu den neu mit der Lafos getroffenen Absprachen informiert worden. Ich werde noch näher darauf eingehen.
Neue Absprachen zwischen UNB und Lafos
Datum: 03.02.2010
Gestern wurde der Nabu per e-Mail über die neuen Absprachen, die zwischen der Lafos und der UNB getroffen wurden, informiert. Punkt 1: In einem jungen Eichenmischbestand nähe Herrmannpfuhl können jetzt alle 20m Rückegassen angelegt werden. Punkt2: Es dürfen jetzt Robinien auf Anfrage der Lafos nesterweise gefällt werden. Das bedeutet, es werden ganze Gruppierungen von Bäume entnommen, also so eine Art Minikahlschlag, aber eben auf kleinen Flächen begrenzt. Punkt3: Es darf jetzt auch Restholz auf der Trainierbahn entnommen werden, im Bescheid anders geregelt, Begründung es bestünde eine Gefahr durch den Lärchenborkenkäfer, wenn das Restholz nicht entnommen werden würde.
Siebenter Bericht
Zeitraum bis 04.02.2010
Leider musste ich feststellen, dass es jetzt zu den ersten Fäll- und Rückeschäden gekommen ist. Man muss natürlich sagen, dass es bei der Größe der Bäume und der Neuanlage von Rückegassen, Fällschäden nicht vermeidbar sind, auch bei einer manuellen Holzfällung könnte es zu Fällschäden kommen, doch durch den Verzicht auf ein Rückegassensystem würde man diese Gefahr entschieden vermindern. In einem anderen Bestand habe ich nun eine Rückegasse entdeckt, die direkt an einem Horstbaum vorbeigeführt wurde, eigentlich hatte ich diese Bäume weiß markiert, um so etwas zu verhindern. Auch musste ich feststellen, dass schon damit begonnen wurde die zusätzlich genehmigten (UNB) Robinien zu entnehmen, so dass wir nun wirklich keine Möglichkeit mehr haben ein Veto einzulegen.
Bericht NABU ökologische Durchforstungsmethode
Datum: 05.02.2010
Ich bin Ihnen noch immer den Bericht schuldig, was würde der Nabu machen, was würde er wenn möglich anders machen, leider fehlte mir bisher die Zeit dazu. Ich möchte jetzt wenigstens damit beginnen, wie Sie ja wissen, durchforstet der Harvester zur Zeit mittelalte Kiefernbestände (Alter von 50-80 Jahre), auch diese Bestände wurden seit ungefähr 20 Jahren nicht mehr durchforstet, was dazu geführt hat, dass viele Kiefern bereits abgestorben sind. Die Lafos hat hier, wie auch bei den jungen Kiefernbeständen, die für sie ökonomischste Durchforstungsvariante gewählt. Rückegassen alle 20m, Durchforstung mit Harvester, Holzrückung mit Forwarder. Entnommen werden die forstwirtschaftlich schlechten Kiefern und natürlich alle die, die auf der Rückegasse stehen. Wie gesagt, dass ist in der Tat die ökonomischste Durchforstungsweise, die sich für die Lafos anbietet. Ökonomisch aber auch nur bei der Wahl der Erntemethode, neuere Forschungen haben ergeben, dass der Aufschluss mit Rückegassen alle 20m, die Leistungsfähigkeit (Masse und Qualität) eines Waldbestandes erheblich mindern, in dieser Forschungsarbeit, hat man alle möglichen Rückegassenabstände (20,40,60m) und die dafür geeigneten Ernte- und Rückeverfahren (Harvester, Manuelle Holzernte mit Windenunterstützung durch Forstschlepper, Manuelle Holzernte in Verbindung mit Pferderückung usw.) mit einander verglichen und am Ende festgestellt, rechnet man den Verlust an Holzmasse durch Rückegassenabstände (20m) mit ein, so ist die manuelle Ernte in Verbindung mit der Holzrückung durch das Pferd und dadurch die Möglichkeit nur alle 60m eine Rückegasse anzulegen nicht teurer, da man ja in Zukunft viel mehr Bäume hat die noch älter werden können und somit auch mehr Holz liefern. Eigentlich brauche ich ihnen nicht aufzuschreiben, welche Methode wir in diesen Kiefernbeständen bevorzugen würden, dass können Sie sich ja jetzt denken, natürlich würden wir auf Rückegassen verzichten und somit ökologisch handeln und gleichzeitig auch ökonomisch sein, also eine nachhaltige und ökologische Forstwirtschaft betreiben.
Achter Bericht
Zeitraum bis 08.02.2010
Heute fragten mich ein paar Leute, warum denn das jetzt so wüst aussieht und ob denn die ganzen vielen Baumkronen der gefällten Bäume liegen bleiben würden. Dazu gibt es zwei klare Antworten, erstens ist ganz klar das so eine Neuanlage einer Rückegasse, eines Rückegassensystems grobe Spuren und Schäden im Wald hinterlässt und somit das Landschaftsbild beeinträchtigt (auch ein Grund warum der NABU auf Rückegassen in diesem Gebiet verzichtet hätte), zweitens ist es gut, dass die Baumkronen der älteren Kiefern und anderer gefällter Bäume im Bestand liegen bleiben, sie bieten so als Totholz den verschiedensten Arten wichtige Lebensräume und auch Nahrung, werden so dem natürlichen Kreislauf dieses Ökosystems zurückgeführt und nicht entzogen.
Neunter Bericht, Teil 1
Zeitraum bis 11.02.2010
Die letzten Tage und Wochen waren davon geprägt, an jedem Tag den ich auf den Flächen der Trainierbahn unterwegs war, eine oder mehrere neue unangenehme Überraschungen zu entdecken oder entdeckt zu bekommen. Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Es gab einen sehr klaren Bescheid der UNB, die Lafos wollte immer offen und ehrlich mit uns zusammen arbeiten und die GNGmbH unterstützte dies wohl noch. Nur was ist von diesen guten Vorsätzen und Vorgaben eigentlich noch übrig? Von dem Bescheid gibt es erste mit dem Nabu und der Gemeinde Neuenhagen nicht abgestimmte Abweichungen, über die man nur zögerlich informiert worden ist. Von der angestrebten Offenheit der Lafos ist spätestens seit dem Zeitpunkt nicht mehr viel vorhanden, als solche Sätze wie „Wir werden kein Restholz in den jungen Kiefernbeständen entnehmen“ oder „Rückegassen alle 40m sind in diesem Eichenbestand kein Problem“ durch schnell folgende Taten hinweg gewischt wurden (Restholz wurde entnommen, Rückegasse alle 20m angelegt usw.) und dies alles ohne weitere Abstimmung mit dem NABU. Wir waren davon überzeugt, dass der gute Wille auf beiden Seiten bestehen würde, nun wie gesagt gibt es mehrere unangenehme Überraschungen pro Woche, über die wir uns bei der Lafos beschwert haben, die wir aber auch gegenüber der UNB angezeigt haben. In diesem Zusammenhang möchte ich auch gleich einmal denen danken, die uns bei unserem Protest unterstützt haben: Dem Greenpark e.V, dem Bürgermeister der Gemeinde Neuenhagen und dem Hauptausschuß der Gemeinde Neuenhagen. In wie weit der Protest auch angekommen ist, vermag ich noch nicht zu sagen.
Neunter Bericht, Teil 2
Bei meiner heutigen Begehung der Flächen konnte ich jedenfalls noch keine positiven Handlungen entdecken. Im Gegenteil, der Weg von der Trainierbahn zum Herrmannpfuhl ist noch immer von gefällten Bäumen versperrt, der Harvester arbeitet jetzt in zwei verschiedenen Kiefernbeständen (Jung- und Altbestand), gegenüber von einem Holzpolter wurden Baumstümpfe heraus gerissen, um mit dem an ihren Wurzeln hängenden Erdreich den Weg auf 10m Länge zu streuen, die jungen Kiefernbestände auf der Trainierbahn wurden in dem durchschnittlichen Takt, 1 Baum nicht rot, 1,2,3,4,5 rot, einer wieder nicht rot, ausgezeichnet (die rot markierten Bäume sind die, die entnommen werden), auch bei dem kleinen Birkenbestand neben den Roteichen ist die dominierende Farbe rot. In diesem Bereich sind mir auch so einige andere Dinge aufgefallen: Anstatt eine Roteiche (eine nicht heimische Baumart) zu entnehmen, wurde die daneben wesentlich dickere Birke (heimische Baumart) rot markiert. Der Rückegassenverlauf sieht auch ähnlich aus, bevorzugt durch Passagen gelegt mit älteren Birken, auch da viel mir ein besonders absurdes Beispiel auf, da wurde eine Rückegasse an alten Birken angezeichnet, obwohl sich direkt daneben ein 4m breiter fast 100m langer freier Streifen (4m ideale Rückegassenbreite, lediglich ein paar fast abgestorbene kleine Roteichen stehen dort) befindet. Noch sind nicht alle Bestände ausgezeichnet worden, aber um zwei der noch nicht ausgezeichneten Bestände mache ich mir jetzt schon Sorgen. Ein älterer Eichenbestand mit Horstbäumen befindet sich im nördlichen Teil der Trainierbahn an der Innenbahn liegend und nicht weit davon ein mittelalter Kiefernbestand, dessen Rand eine dicht stehende Reihe von Birken abschirmt (hinter dem Lärchenbestand rechte Seite). Eine Birkenreihe, so glaube ich, die wohl jeder Spaziergänger der Trainierbahn kennt und auch nicht missen möchte.
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